Die Trauerrede ist eine Laudatio

Woran man erkennt, ob eine Trauerrede dem Menschen gerecht wird

Viele Menschen verbinden mit einer Trauerrede vor allem zweierlei: eine persönliche Lebensgeschichte – oft reduziert auf einen Lebenslauf – und ein paar warme Worte. Doch wer einmal erlebt hat, wie unterschiedlich solche Reden ausfallen können, merkt schnell, dass es in Wahrheit um weit mehr geht. Eine Trauerrede ist keine Pflichtübung und auch kein formales Ritual. Sie ist – im besten Sinn des Wortes – eine Laudatio.

Was eine Laudatio wirklich bedeutet

Der Begriff wird in der Trauerkultur (eigentlich) nicht verwendet, aber er beschreibt treffender als vieles andere, worum es bei einer wirklich guten Trauerrede geht. Eine Laudatio ist eine feierliche Rede zu Ehren eines Menschen, die dessen Wesen, Leistungen und Bedeutung würdigt.

Wichtig ist dabei die Klarheit:

Eine Laudatio ist keine Heiligsprechung, kein unkritischer Lobgesang, keine romantisierte Rückschau. Sie ist eine ehrliche Würdigung – mit Stärken, Brüchen, Humor, Ecken und Kanten. Ein Porträt, kein Bilderrahmen. Sie ist ein Blick darauf, wie jemand wirklich war und was dieser Mensch für andere bedeutete.

Gerade deshalb fühle ich mich diesem Begriff verbunden. Denn eine Trauerrede, die nur eine Vorlage befüllt, bleibt zwangsläufig im Allgemeinen hängen. Eine Laudatio hingegen geht ins Persönliche – aber nicht ins Beliebige.

Eine Laudatio geht ins Persönliche – aber nicht ins Beliebige.

Was sich viele unter einer Trauerrede vorstellen – und was oft fehlt

Im Alltag begegne ich oft einem sehr verständlichen Wunsch: dass sich die Trauerrede persönlicher anfühlt als das, was man von vielen bisherigen Verabschiedungen kennt – und vielen ist dabei gar nicht bewusst, wie viel darüber hinaus möglich ist. „Hauptsache, es klingt individueller als das, was man von traditionellen Beerdigungen kennt.“

Dieser Wunsch ist verständlich.
Nur: Nur: Individualität entsteht nicht durch Variation einer Vorlage oder Schablone. Sie entsteht durch echtes sprachliches Handwerk.

Eine gehaltvolle Trauerrede ist eine Komposition, bei der vieles zusammenkommen darf und muss:

  • eine präzise Sprache, die auch die feinen Nuancen eines Charakters widerspiegeln kann
  • ein sicherer Umgang mit Grammatik und Ausdruck
  • ein Gespür für Dramaturgie – kein Pathos, aber mit Gefühl
  • die Fähigkeit, Inhalte klar, verständlich und würdevoll zu vermitteln – als Sprachrohr für die Angehörigen und mit dem Bewusstsein, dass auch der verstorbene Mensch ein Recht auf einen stimmigen, respektvollen Abschied hat.

Vor allem aber: keine Schablonen, keine Floskeln. Es geht nicht darum, „etwas Schönes zu sagen“.
Es geht darum, etwas Echtes zu sagen.

Wie eine Laudatio entsteht – und warum Zuhören der wichtigste Teil ist

Wenn Angehörige mich kontaktieren, beginnt meine Arbeit nicht beim Schreiben, sondern beim Zuhören. Und zwar beim ehrlichen, offenen, unvoreingenommenen Zuhören.

Ich frage, ohne zu interpretieren. Ich lasse Raum für Widersprüche und für das, was zwischen den Zeilen steht. Und ich baue daraus ein Bild, das so nah wie möglich an den Menschen herankommt, der verabschiedet wird, stets mit Würde und mit dem Fokus auf einen respektvollen Abschied. – Jenseits von Urteil und jenseits von Verklärung dessen was war.

Nach der Verabschiedung erzählen mir Angehörige häufig – und ich bin dafür sehr dankbar –, dass es sich so anfühlt, als hätte ich die verstorbene Person selbst gekannt. Für mich ist dieses Vertrauen alles andere als selbstverständlich; es zeigt mir, wie sehr sorgfältige Sprache, echte Aufmerksamkeit und echtes Zuhören etwas bewirken können.

Ich sehe jede Trauerrede als eine Laudatio: Ein Moment, in dem ein Mensch mit all seinen Facetten noch einmal sichtbar wird.

Was Angehörige meist wirklich suchen

In Gesprächen mit Familien und Freunden zeigt sich immer wieder: Menschen wünschen sich keine idealisierte oder glorifizierende Rede, sondern eine ehrliche, wohlwollende und dennoch würdevolle Würdigung eines Menschen. Sie wünschen sich eine Darstellung, die dem gelebten Leben gerecht wird sowie Trost und wenig Frieden schenkt.

Was dabei zählt, ist:

  • eine Darstellung, die sich authentisch und stimmig anfühlt
  • Worte, die Orientierung geben, ohne vorzuschreiben, wie Trauer „sein soll“
  • Erinnerungen, die nicht verklären, sondern verbinden
  • der Blick auf Beziehungen, Prägungen und gemeinsame Geschichten

Eine gute Trauerrede schenkt keine Antworten. Aber sie schafft Verständnis, Würde und oft eine Form von innerer Ordnung, die vielen Angehörigen hilft.

Warum Qualität in der Trauerrede entscheidend ist

Trauer ist ein Ausnahmezustand. Und gerade deshalb haben Worte ein besonderes Gewicht. Sie können Distanz schaffen – oder Nähe. Sie können in Allgemeinplätzen verharren – oder ein Leben greifbar machen.

Professionelle Trauerrede ist kein „schön formulieren“. Sie ist Sprachhandwerk, Zuhörkompetenz und Verantwortung. Sie ist die Entscheidung, einem Menschen nicht irgendeinen Abschied zu geben, sondern einen, der wirklich zu ihm passt und seinem Leben und Wirken gerecht wird.

Laudatio nicht einfach nur Trauerrede.

Kontakt

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Lena Mileder
Ausgebildete Trauerrednerin & Expertin “Digitaler Nachlass”
Tel.: 0664/160 20 63
E-Mail: lena@trauerrednerin-mileder.at